Pressebericht in der VRM: BI Ultranet sieht „Taschenspielertricks“ bei Firma Amprion

Aufgrund unseres Leserbriefes vom 3. Juni 2019 erschien am 15. Juni 2019 in der VRM Presse (u.a. Wiesbadener Kurier, Wiesbadener Tagblatt, Idsteiner Zeitung, …) ein Bericht über die „Taschenspielertricks“ von Amprion, um die Vorgaben der gesetzlichen Grenzwerte (TA Lärm) in Wohngebieten zu umgehen.

BI Ultranet sieht „Taschenspielertricks“ bei Firma Amprion

Aktivisten kritisieren das Unternehmen Amprion für „unsauberen Umgang“ mit Grenzwerten zur Schallemission in Wohngebieten

NIEDERNHAUSEN – (saki). Mit Unverständnis reagiert die Bürgerinitiative (BI) „Ultranet“ Niedernhausen Eppstein auf den Hinweis der Firma Amprion, man halte bei dem Projekt, mit dem zusätzlich Gleichstrom auf einer Wechselstromtrasse von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg auch durch das Rhein-Main-Gebiet transportiert werden soll, alle Grenzwerte ein. „Was helfen uns gute Worte und Versprechungen über Einhaltung von Grenzwerten, wenn verschwiegen wird, mit welchen ‚Taschenspielertricks‘ diese erreicht werden“, fragt Rainer Wegner, Vorsitzender der BI, in einer Pressemitteilung.Höhere Schallemissionen in WohngebietenAnders als bei der bestehenden Wechselstromübertragung würden HGÜ-Leitungen der geplanten Größe einen konstanten Brummton erzeugen, besonders stark bei schönem Wetter, wenn die Anwohner auf der Terrasse sitzen. Die zu erwartenden Lautstärken seien bekannt. Für im Bebauungsplan ausgewiesene „reine Wohngebiete“ könnten die Grenzwerte der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (aus dem Bundes-Immissionsschutzgesetz) bei diesen Leitungen speziell nachts nicht oder nur mit „genehmigungstechnischen Tricks“ eingehalten werden.In ihren Antragsunterlagen habe Amprion als Vorhabenträgerin deshalb kurzerhand die in Niedernhausen im Bebauungsplan bisher als reine Wohngebiete gekennzeichneten Gebiete zu industriellen Mischgebieten erklärt. Die trickreiche Begründung laute, es gebe bereits eine Leitung und dadurch eine „Gemengelage“, die höhere Schallemissionen zulasse.Bei der HGÜ-Technik träten verschiedene elektrotechnische Phänomene wie elektrostatische und magnetische Kraftfelder, Ionisierungseffekte auf, deren Auswirkungen auf den Menschen bei der geplanten Transportleistung nicht bekannt oder erforscht seien. So sei beim Erörterungstermin für Abschnitt A in Worms im Sommer 2018 die Vertreterin des Bundesamts für Strahlenschutz von der Bundesnetzagentur gebeten worden, zum Problem der auftretenden Konzentration von Luftionen Stellung zu nehmen. Hierzu habe sie geantwortet, man habe insgesamt eine schwache Datenlage und würde gern eine Studie über den Forschungsstand zum Thema herbeiführen. Einen Grenzwert für den Ionisierungsgrad gebe es in Deutschland nicht. Bei einem derartigen Faktenstand darauf zu schließen, dass keine Beeinträchtigung der Gesundheit eintrete, halte die BI für unverantwortlich gegenüber den Anrainern, sagt Wegner.Wenn schon die Fachleute unsicher seien und dringenden Forschungsbedarf sähen, woher wolle Amprion wissen, dass diese Leitung „nicht krank macht“, wenn es bisher noch keine derartigen Leitungen in dicht besiedelten Wohngebieten gegeben habe.Amprion stelle im Bericht dieser Zeitung fest, dass in Zukunft weiterer Leitungsneubau und -ausbau notwendig sei, verschweige aber, dass bei bestehenden Leitungen mit einer weiteren Vervielfachung der Transportkapazität, Zusatzbeseilung und Mastenerhöhung zu Lasten der Anlieger zu rechnen sei, wenn sich die künftige Gleichstromleitung einmal als Bestandstrasse etabliert habe. Man brauche einen zukunftsträchtigen, ausbaufähigen Trassenverlauf, der Mindestabstände zur Bebauung einhalte, fordert die Bürgerinitiative. Wenn Amprion stattdessen den Netzausbau und die Energiewende vorschiebe, um unverantwortliche Trassenverläufe durch Wohngebiete zu rechtfertigen, seien dies „populistische Gauklertricks“.

https://www.wiesbadener-tagblatt.de/lokales/untertaunus/niedernhausen/bi-ultranet-sieht-taschenspielertricks-bei-firma-amprion_20215436

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