Die Energiewende wirft ihre Schatten voraus – nicht nur bei Transitleitungen gibt es Handlungsbedarf

Die Energiewende steht erst am Anfang und wird nicht zuletzt für E-Mobilität und Wärmepumpen zur Gebäudeheizung von den beteiligten Netzbetreibern gewaltige Investitionen für Leitungsumbau und -nachrüstung erfordern. Bisher wurden in der Öffentlichkeit hauptsächlich große Transitleitungen für Windstromübertragung von Nord nach Süd diskutiert bzw. haben diese das Interesse auf sich gezogen. Die Energiewende wird aber nicht nur überregionale Übertragungsnetze wie z.B. Ultranet betreffen, sondern auch die regionalen Verteilernetze, wie die gerade in Planung befindliche neue Einspeisung Wiesbaden Ost in ersten Ansätzen zeigt.
Einen Eindruck was auf uns zukommt, geht aus dem Abschlussbericht „Verteilernetzstudie Hessen 2024 – 2034“ (2018 BearingPoint GmbH, Frankfurt/Main, Fraunhofer IEE, Kasse) hervor, in dem der zusätzliche Netzbedarf für das Land Hessen untersucht und prognostiziert wurde. Unter den angenommenen Energieszenarien der Studie wird sich in Hessen eine insgesamt deutlich veränderte Versorgungsaufgabe einstellen. Die Einspeisung aus Erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen, wie Windenergie und Photovoltaik, wird wesentlich zunehmen. Andererseits wird der Gesamtverbrauch an elektrischer Energie in Hessen durch zusätzliche neue Verbraucher stark wachsen. Wesentliche Treiber werden die Elektromobilität sowie elektrische Wärmepumpen für Gebäudeheizungen sein.
Durch den weiteren Ausbau des schnellen Internets wird nicht nur in Stadtgebieten ein weiterer Zubau von Rechenzentrumskapazitäten mit entsprechendem Strombedarf erwartet. Die Bürgerinitiative Niedernhausen.Eppstein e.V. möchte die Initiative ergreifen und in einem Workshop, zu dem auch Politiker sowie Vertreter von Syna eingeladen werden sollen, die Verbrauchs- und Leistungssteigerung für eine Gemeinde wie Niedernhausen greifbarer zu machen.
Erste grobe Abschätzungen zeigen, dass sich der Gesamtverbrauch an elektrischem Strom bis zu einer 100%-igen Umsetzung der Energiewende mehr als verdoppeln könnte. Zum bisherigen Verbrauch der Haushalte kommt mindestens noch einmal so viel für Elektromobilität und Wärmepumpen (Wohnungswärme) hinzu, wenn die Energiewende konsequent weiter umgesetzt wird. Der zusätzliche Leistungsbedarf an das örtliche Netz wird sich dabei zwar nicht proportional verdreifachen, aber immerhin noch grob geschätzt um ca. 30%- 50% ansteigen. Das lässt einen erheblichen Ausbaubedarf mit zusätzlich notwendigen Flächen für die Stromverteilung auch bei
lokalen Verteilernetzen und Verteil- und Umspannstationen erwarten.
Für das Umspannwerk in Niedernhausen, das außerdem auch Kommunen bis in den Rheingau und in südlicher Richtung im Main-Taunus-Kreis bedient, ist daraus schon jetzt Handlungsbedarf unschwer abzuleiten. Das Gesamtkonzept der Gemeinde, das vorsieht alle Transit-Leitungen in den D3-Korridor zu verschwenken und das Umspannwerk entsprechend der Verbraucherrichtung teils an den nördlichen und teils an den südlichen Rand des Gemeindegebiets zu verlagern, macht dabei sehr viel Sinn. Dies insbesondere auch deshalb, weil die zu erwartenden zusätzlichen Freileitungen und Schaltanlagen auf keinen Fall mehr in der Ortsmitte von Niedernhausen angegliedert werden können.
Die Gemeinde hatte im Gegenteil bereits im Jahr 2020 beschlossen, dass die Flächen des USW rückgebaut und für Wohnnutzung umgewidmet werden sollen. Das bisherige innerörtliche, erdverlegte Verteilnetz auf der 20 kV Ebene würde dabei weiter genutzt und sukzessive ausgebaut werden können.
In einer ersten Machbarkeitsstudie, die von der Bürgerinitiative in 2020 bei einem Düsseldorfer Planungsunternehmen beauftragt und finanziert wurde, wird diese Aufspaltung des existierendenUmspannwerks untersucht und einer Kostenanalyse unterzogen. Sogar unter Berücksichtigung der geschätzten, notwendigen Leistungserhöhung erscheint eine Umsetzung und Finanzierung durch das zusätzlich gewonnene Bauland machbar.
Diese Baulandgewinnung in den Wohngebieten kann aber nur dann optimiert werden, wenn eine Bündelung und Verlagerung aller Transitleitungen in die D3-Trasse erfolgt. Freiwerdende, bisher in Waldgebieten gelegene Trassenflächen können zu 100% renaturiert werden.
Die Bürgerinitiative arbeitet mit Hochdruck weiterhin für Umweltschutz, eine lebenswerte Umwelt und mastenfreien Wohn- und Siedlungsräume. Für Niedernhausen, Eppstein und die benachbarten Taunuskommunen ist dies eine einmalige Chance, da sich sonst ca. 10m höhere Masten, zusätzliche Lärmbeschallung besonders bei schönem und trocknem Wetter und ungeklärte Strahlenbelastung für die nächsten Jahrzehnte in unseren Wohngebieten etablieren werden.

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